Frisch von der Globe40 zurück in Deutschland teilt unser Team Next Generation Boating Around the World seine Erfahrungen mit dem Tauwerk während der Weltumsegelung. Über sieben Monate Etappenrennen rund um die Welt auf einer Class40 sind der Test, den kein Labor ersetzt. Salzwasser rund um die Uhr, tropische Sonne, Passatwellen und Wochen ohne Werft oder Ersatzteillager.
„Wir sind sehr begeistert! Es hat alles super gehalten!“ Melwin Fink
Was dieser Test für unser Tauwerk ergeben hat, welche Leinen als Einzige an ihre Grenzen kamen und was Fahrtensegler daraus für ihr eigenes Boot mitnehmen können, steht in diesem Beitrag.
Tauwerk für die Class40: das Setup von Lennart Burke und Melwin Fink
Lennart Burke und Melwin Fink haben sich im Vorfeld viele Gedanken über das passende Setup und die Auswahl der Produkte gemacht. Sie sind dabei bewusst eine eher klassische Linie gefahren und haben hauptsächlich mit CALIMA RACING und CALIMA HYBRID gearbeitet.
Diese Entscheidung ist auf einer Regatta über diese Distanz die eigentliche Kernfrage. Wer monatelang ohne Servicestopp unterwegs ist, braucht kein Material am absoluten Limit, sondern Material, dessen Verhalten er kennt.
- CALIMA RACING arbeitet mit Technora-Mantel und imprägniertem Dyneema SK78-Kern. Der Einsatzbereich sind Schoten, Fallen und Trimmleinen unter hoher Last.
- CALIMA HYBRID kombiniert im Mantel Dyneema SK78, Technora und Polyester. Damit deckt sie Schoten und Trimmleinen ab, bei denen neben Festigkeit auch Handling zählt.
Beide Konstruktionen sind seit Längerem im Einsatz und in ihrem Alterungsverhalten bekannt. Genau darauf kam es an.
Zweiter Satz Tauwerk an Bord und kaum gebraucht
Mit dem Ergebnis sind Burke und Fink mehr als zufrieden. Sie hatten einen zweiten Satz Tauwerk an Bord, sahen jedoch kaum die Notwendigkeit, dieses zu tauschen. Ausgenommen davon waren einzelne stark belastete Bereiche wie beispielsweise die Schoten.
Dass Schoten zuerst gehen, ist erwartbar. Sie laufen dauerhaft über Winschen und durch Klemmen, arbeiten unter wechselnder Last und bekommen bei jedem Manöver Reibung an denselben Stellen ab. Alles andere im Setup blieb dort, wo es zum Start eingeschoren wurde.
Für die Praxis heißt das: Ersatztauwerk ist Gewicht, das die ganze Strecke mitfährt. Wer weiß, welche Leinen tatsächlich verschleißen, kann die Reserve gezielt auf diese Positionen begrenzen statt einen kompletten Zweitsatz mitzunehmen.
Fallen ohne Wechsel über die gesamte Reise
Gegen die ursprünglichen Erwartungen mussten die Fallen während der gesamten Reise nicht ersetzt werden. Insgesamt sind die beiden Skipper deshalb sehr begeistert. Alles hat wie geplant funktioniert und die Systeme haben zuverlässig gearbeitet. Auch Sonne, UV-Strahlung sowie Salzwasser haben dem Material deutlich weniger zugesetzt als gedacht.
Fallen sind der anspruchsvollere Fall. Sie stehen unter Dauerlast, laufen über Umlenkungen im Masttop und liegen dort ungeschützt in der Sonne, ohne dass jemand sie regelmäßig in die Hand nimmt. Dass sie über sieben Monate keinen Wechsel gebraucht haben, ist das Ergebnis, das für uns am meisten aussagt.
UV-Strahlung und Salzwasser: der Zustand nach sieben Monaten
ach der Reise, die immerhin über sieben Monate ging, zeigt das Tauwerk auf der Class40 selbstverständlich einige Gebrauchsspuren. Teilweise ist das Material etwas ausgeblichen und verschlissen. Das liegt allerdings nicht an gravierenden Schäden, sondern an der normalen Belastung durch UV-Strahlung und Salzwasser.
Diese Unterscheidung ist bei der Beurteilung entscheidend. Farbe sagt wenig über Tragfähigkeit aus. Eine ausgeblichene Leine kann strukturell einwandfrei sein, während eine farblich unauffällige Leine an einer Reibstelle bereits geöffneten Mantel hat. Worauf du stattdessen achten solltest:
- Aufgeraute oder geöffnete Mantelstellen an Umlenkungen, Klemmen und Winschen
- Sichtbarer Kern an Scheuerstellen
- Harte oder verklebte Abschnitte nach starker Hitzeeinwirkung
- Deutliche Durchmesserunterschiede über die Länge einer Leine
- Zustand direkt am Spleiß und am Übergang zum Auge
Tauwerk tauschen nach der Regatta: einzelne Komponenten statt Komplettwechsel
Nun werden einzelne Komponenten nach und nach ausgetauscht, ohne dabei sofort einen kompletten Wechsel vorzunehmen.
Dieses Vorgehen empfehlen wir auch abseits der Regattaszene. Statt turnusmäßig alles zu erneuern, lohnt der Blick auf die Positionen, die tatsächlich arbeiten. In den meisten Fällen sind das Großschot, Genuaschot und der Bereich der Fallen an den Umlenkungen. Wo Abrieb an einer klar begrenzten Stelle entsteht, hilft oft ein Schutzmantel weiter, bevor die gesamte Leine ersetzt werden muss. Wo der Mantel bereits offen ist und der Kern freiliegt, gehört die Leine getauscht.
Praktischer Zwischenschritt: Leinen, die vorne verschlissen sind, lassen sich häufig kürzen und neu spleißen, statt sie komplett zu ersetzen. Das machen wir auf unserem Segelmacherboden in Hamburg.
CALIMA HYBRID PBO im Test auf der Atlantiküberführung
Auf der großen Atlantiküberführung konnte das Team außerdem ein weiteres Produkt intensiv testen, das CALIMA HYBRID PBO, von dem unsere Profis sehr begeistert sind. Vor allem die Abriebeigenschaften waren überzeugend. Das Material nutzt sich deutlich weniger ab als klassisches Racing-Tauwerk und erfüllt damit genau den Zweck, für den es entwickelt wurde.
Der Mantel ist ein Geflecht aus PBO, Technora und Dyneema, darunter arbeitet der imprägnierte Dyneema SK78-Kern. Eingesetzt wird das Seil dort, wo viel Reibung und hohe Belastungen zusammenkommen. Verfügbar ist es ab 8 mm.
Insgesamt also ein sehr positives Fazit.
